Tobea - Martina Witt

Dolmetscher für die Seele

Woher weißt du, dass deine Seele im Körper des anderen ist?
 
Ich bin immer der größter Zweifler meiner Arbeit gewesen. Die Leute haben mir voll vertraut und mir ihr Leben in meine Hände gelegt und ich war jedes Mal völlig panisch.
Vor ca. 20 Jahren habe ich einen Vortrag gehalten. In dem vollen Raum fiel mir eine sehr fein gekleidete Dame auf. Ich fühlte mich von ihr durchleuchtet. Nach dem Vortrag sprach sie mich an und in einer eigenartig fordernden Art, bat sie mich, am nächsten Tag zu ihr zu kommen. Es war mir unangenehm, aber ich war wie gebannt. Sie hatte ein Traumhaus, welches mich gleich in seine Arme nahm. Die Dame war eine alte Schamanin und arbeite unter dem Deckmantel einer Heilpraktikerin. Bis 2004 waren Heiler noch verboten, da brauchte man eine Tarnung. Diese ist ihr sehr gut gelungen. Sie erzählte mir, dass sie Krebs im fortgeschrittenen Stadium hat. Bei meinem Vortrag hatte sie mich wirklich durchleuchtet und meine besonderen Fähigkeiten erkannt. Sie ging mit mir gemeinsam auf eine Trancereise. Dabei nahm ihre Seele, meine Seele in die Hand und lief mit mir/meiner Seele, durch ihren Körper. Meine Seele sah die Metastasen und knipste diese einfach ab. Bei jedem Eingriff schrie meine Klientin vor Schmerz auf und ich wusste, dass dies hier gerade wirklich passiert. Danach konnte ich nur noch nach Hause fliehen. Es hat mir so viel Angst gemacht und das wollte ich nie wieder erleben. Als ich diesen Schock verdaut habe, fiel mir ein, dass ich schon seit Kindheit unbewusst auf Seelenreise gegangen bin. Meine Klientin hat mir nur meine Fähigkeiten wieder ins Bewusstsein gebracht, damit ich diese nutzen kann.
Ich traf sie eine ganze Weile später. Sie hatte durch die Behandlung nur einen Aufschub bekommen. Sie hat ihre Zeit sehr gut genutzt und alles in die richtigen Bahnen gelenkt. Für die Ordnung in ihrer Seele haben wir gemeinsam eine wirklich zauberhafte Sterbebegleitung organisiert. 
Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit, weil es so spannend ist. Ich mache das nun schon so viele Jahre und trotzdem ist es bei jedem völlig anders. Es macht auch viel Spaß, im Körper des anderen zu sein und durch seine Augen auf sein Leben zu schauen. Manchmal kommen ja auch Verwandte und Bekannte und dann sehe ich einen Teil meines Lebens.
Aber es ist nicht nur der Blick, den ich dann mit meinem Klienten teile, sondern auch die Emotion dazu. So hatte ich eine Begegnung, in der ich die Todesangst meiner Klientin geteilt habe. Da hörte der Spaß auf. Ich sah in einen Pistolenlauf und war völlig gelähmt. Selbst meine Seele, die ja solche Episoden in der Seele meines Klienten auflösen soll, war im Schockzustand. Es löste sich dann doch auf, aber ich weiß die Details dazu nicht mehr. Ich möchte ja vor einer Trancereise nichts wissen und überlasse der Seele meines Klienten, meine Seele als Werkzeug für ihre Heilung. Nach der Reise frage ich dann aber die Leute, ob sie mit meinen mitgebrachten Bildern etwas anfangen können. Diese Klientin wusste es sofort. Sie hat mal bei einer Bank gearbeitet und wurde bei einem Überfall als Geisel genommen. Die Bilder wird sie nie vergessen, aber meine Arbeit ist es, die Emotionen anders einzuordnen. Somit wird nicht jede Situation zu einer Panikattacke.
Ich hatte auch mal den anderen Blick in einer Todessituation. Mein Klient war in Serbien im Krieg und durch unsere Seelenverschmelzung erlebte ich es mit, wie er einen Mann erschoss. Das ist mehr als Kino, vor allem, wenn man nicht mit so etwas rechnet.
Am meisten war ich natürlich erschrocken, als ich einmal für die Ängste meines Sohnes gearbeitet habe und mit seinen Augen auf mich geguckt habe. Ich sah, wie man mich nach einer Herzoperation aus dem OP schob. Er war gerade 9 Jahre alt und wartete mit meinem damaligen Freund auf dem Flur auf mich. Die Schwester wollte besonders locker sein und sagte „da hast du deine Mutti wieder. Sie wollte uns verlassen, aber wir haben sie wieder zurückgeholt“. Als ich dieses in der Trancereise sah, fühlte ich mit ihm, wie sein kleines Herz selbst stehen blieb. Er hatte musste gerade vor einem Jahr mitansehen, wie sein Vater elendig an Krebs krepiert ist und nun wollte seine Mutter ihn auch noch verlassen. Er hatte es schon so oft erlebt, wie ich immer wieder ohnmächtig wurde und auch wiederbelebt werden musste und nun noch dieses Trauma der Operation. Da ich selbst so geschockt war, konnte ich ihm das mit meiner Behandlungsmethode nicht nehmen. Ich nutze die Hälfte meiner Trancereise zur Kontrolle meiner Arbeit, damit nicht meine eigener Film das Ergebnis verfälscht. In diesem Fall wusste ich es ganz genau, dass es seine seelische Erinnerung war. Ich hatte bei dieser Operation ein ganz langes Nahtoderlebnis und war davon so eingenommen. Ich hatte keinen Blick mehr, für die irdische Welt. Inzwischen haben wir mit mehreren Behandlungen an seiner Verlustangst gearbeitet. Aber ich kann mit meiner Art nur die Emotionen- die Seele wieder reparieren. Für das Denken zu einer Situation muss eine Psychologin oder Psychologe weiterführend arbeiten.  
Es ist nicht nur der Schmerz, die Wut, die Trauer, die Lähmung und vieles mehr, was in unserer emotionalen Seelenebene gespeichert ist und uns am Leben hindert. In uns bleiben auch Gerüche, die uns in anderen Situationen einfach lähmen.
Ich bin mal durch den Körper eines Mannes gelaufen. Es stank furchtbar darin. Ich kannte diesen Geruch auch nicht. Dann sagte Gott: „Das ist verbranntes Menschenfleisch“. Nach meiner Reise erzählte ich dem Mann von meiner Seelenreise durch seinen Körper. Er wusste sofort, wovon ich sprach. Er war einmal Ersthelfer bei einem Autounfall und musste mitansehen, wie die Menschen darin verbrannten und er nicht mehr helfen konnte.
Die meisten Klienten kommen auch in mein Leben, um mich zu heilen. Mein Mann hatte so ein starkes Herz, dass er nicht an seinem Krebs sterben konnte. Er ist am lebendigen Leib verwest. Er hat so unvorstellbar gestunken und jeder Gedanke nach seinem Tod war für mich nur noch dieser Geruch. Durch den Klienten konnte ich auf einer Trancereise in mein Innerstes, endlich diese Erinnerung emotional löschen und mich wieder an glückliche Momente mit meinem Mann erinnern.
 
In meiner Zweifelphase hat mich einmal eine Freundin um eine Behandlung gebeten. Da ich einfach keine Zeit dafür gefunden habe und nachts so wie so nicht schlafen konnte, habe ich entschieden diese Zeit dafür zu nutzen. Am nächsten Morgen rief sie mich wutentbrannt an. Sie hatte so große körperliche Reaktionen, dass ihr Mann den Notarzt holen wollte. Zum Glück war sie auch sehr spirituell und konnte die Ursache einordnen. Wir waren dann keine Freundinnen mehr, aber das war mir eine große Lehre und ich habe nie wieder so eine Körperreise ohne die Absprache mit meinem Klienten gemacht.
Ich gehe mit dieser Art meiner Arbeit extrem vorsichtig um und auch immer mit dem Klienten gemeinsam. Diese Außerkörperreisen, verbunden mit der Verschmelzung unserer Seelen ist für mich ein kleines Nahtoderlebnis.
 
Ich bin im „richtigen Leben“ ein Technik Ingenieur und brauche für alles auch die echten Beweise. Ich hatte viele Nahtoderlebnisse und darum kann ich das bewusst herstellen und diese Arbeit machen. Mein großes entscheidendes Nahtoderlebnis hatte ich bei einer Herzoperation. Ich weiß noch, dass ich ganz laut geschrien habe, dass sie mit den Wiederbelebungsversuchen aufhören sollen. Nach der OP habe ich den Arzt angemeckert, wie er das mit mir machen konnte. Er schüttelte nur müde seinen Kopf und sagte „Sie haben nicht geschrien“ und zeigte mir eine sehr, sehr lange Nulllinie vom OP-Protokoll auf dem Monitor. Der letzte Beweis war mein völlig verbrannter Körper vom Defibrillator.
Einen, für mich eher lustigen Beweis habe ich noch bekommen. Meinen 40. Geburtstag habe ich auf der Intensivstation verbracht. Wie immer hatte ich eine Herzattacke, aber diesmal kam Rettung aus Amerika. Ich musste nur warten, weil dieses kleine neue Wunderwerk eines Herzschrittmachers noch nicht von der Krankenkasse bezahlt wurde, sondern musste aus Forschungsgeldern finanziert werden. Dank deutscher Bürokratie wurde mein Geburtstag zu einem ganz besonderen. Die Kontrollen dieses technischen Gerätes wurden zu der Zeit noch von einem Techniker der Herstellerfirma durchgeführt. Diesen armen Mann habe ich einmal sehr irritiert.
Ich bin sehr diszipliniert, was meine Arbeitszeiten angeht und ich bin sehr engagiert bei meinen Reisen. Normalerweise trommle ich, um in die Trance zu kommen und habe damit noch die Kontrolle über meinen Körper. Bei Fernbehandlungen nutze ich meistens meine Trommel CD. Als ich noch so unerfahren war, habe ich mich dabei oft verloren. So war ich froh, diesen Herzschrittmacher zu haben. Also fragte mich der Techniker bei seiner Kontrolle:“ Können Sie mir erklären, warum der Schrittmacher immer gegen 13.30 Uhr angeht?“ Ich wusste es ganz genau, habe es ihm aber nicht verraten. Vielleicht liest er ja mal mein Buch. Dafür hatte ich aber den Beweis und die dringende Aufgabe, meine Arbeitsweise radikal zu verändern.
 
Nach diesem Artikel muss ich wohl die Frage- „Muss man daran glauben, wenn man sich von dir behandeln lässt?“- nicht mehr beantworten.
 
17.April 2026